Hintergrund

Der Ostseeschweinswal – vom Aussterben bedroht

Schweinswal im Netz © Brema_Krivokhizhin

Schweinswal im Netz © Brema_Krivokhizhin

Schweinswale gehören zu den kleinsten Vertretern der Wale, denn sie werden nur knapp über 1,50 m lang. Sie leben ganzjährig in der Nord- und Ostsee und treten meist einzeln oder in kleinen Gruppen auf. Teilweise unternehmen sie saisonale Wanderungen, wobei sie ihrer Beute folgen oder der winterlichen Kälte (und in der Ostsee der Eisbildung) ausweichen. Im Gebiet vor Sylt, in der Eckernförder und der Kieler Bucht, aber auch um Fehmarn kann man sie sehr regelmäßig beobachten.
Insgesamt gibt es drei Vorkommen in deutschen Gewässern, nämlich in der Nordsee, der Beltsee sowie einen Restbestand der zentralen Ostsee („die letzten 300“).
Vor allem die Bestände in der zentralen Ostsee und der Beltsee sind in den vergangenen Jahren extrem rückläufig, verantwortlich dafür ist an erster Stelle der Mensch.
Der Bestand der Beltsee, der sich etwa bis zum Darß erstreckt, nimmt vor allem wegen des Beifangs in Stellnetzen offenbar dramatisch ab. Der Bestand der zentralen Ostsee gilt schon seit Jahren als vom Aussterben bedroht, wahrscheinlich handelt es sich hier nur noch um wenige hundert Tiere (Maximalschätzung). Die IUCN listet den Schweinswal der zentralen Ostsee als „vom Aussterben bedroht“. Damit gehört er zu den am meisten bedrohten Säugetierarten der Welt. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Uni Hannover gab im Oktober 2012 bekannt, dass im Sommer 2012 mehr tote Schweinswale gefunden worden sind als im Jahr zuvor. Allein die Zahlen für die Küsten des Bundeslands Schleswig-Holsteins sind alarmierend:
Nordseeküste, Schleswig-Holstein: 132 tote Schweinswale (Sommer 2012); Ostseeküste, Schleswig-Holstein: 61 tote Schweinswale (Sommer 2012)
Es ist dringend nötig, über alternative Fischereimethoden zu den gebräuchlichen, für Schweinswale gefährlichen Stellnetzen nachzudenken. Auch muss dafür gesorgt werden, dass ihr Lebensraum nicht weiter durch Lärm beeinträchtigt wird, beispielsweise durch den Bau von Offshore-Windparks, seismische Untersuchungen zur Erkundung von Erdöl und -gas oder den steigenden Schiffsverkehr. Meeresschutzgebiete sind für das Überleben der Ostsee-Population von großer Bedeutung, sofern sie die genannten Maßnahmen effektiv umsetzen.

Weitere Informationen:

Der Schweinswal – Webseite von ASCOBANS (in englischer Sprache)
Bedrohungen für den Schweinswal – Webseite von ASCOBANS (in englischer Sprache)
Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee – Webseite vom NABU
Fischerei in Schutzgebieten – Webseite vom NABU
Kampagne „Walheimat“ für sichere Schutzgebiete – Webseite von WDC

Am 9. Juli 2014 trafen Vertreter der Umweltverbände NABU, OceanCare, WDC und des Kleinwalschutzabkommens ASCOBANS die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, um die Gewinnerbeiträge des Kreativwettbewerbs „Die letzten 300″ zu präsentieren. 
Die Verbände nutzten das Treffen zur Überreichung eines Forderungskatalogs  dringend notwendiger Schutzmaßnahmen für die vom Aussterben bedrohten Schweinswale in der zentralen Ostsee.